04.10.2026 von Viktor Siebert
Yaskawa CACR-SR44BE12G-E: Netzteildefekt und Alarm 10 bei RUN
Yaskawa CACR-SR44BE12G-E Reparatur bei Einschaltfehler und Alarm 10
Ein Yaskawa Servopack CACR-SR44BE12G-E aus Rom in Italien ließ sich nicht mehr einschalten. Unsere Untersuchung ergab einen Defekt im internen Netzteil. Nach dessen Reparatur startete das Gerät wieder – doch beim Anlegen des RUN-Signals erschien Alarm 10. Die weitere Diagnose bestätigte einen zusätzlichen Defekt der Leistungsendstufe. Wir reparierten beide Baugruppen und führten eine standardmäßige Überholung durch.
Zuerst musste die interne Stromversorgung wieder funktionieren
Das interne Netzteil versorgt die elektronischen Schaltungen des Servopacks. Ohne diese Hilfsversorgung arbeitet die Steuerelektronik nicht ordnungsgemäß. Erst nach ihrer Wiederherstellung lässt sich das Verhalten des Verstärkers bei Freigabe und Motorbetrieb sinnvoll beurteilen.
Nach der Netzteilreparatur konnte die Diagnose fortgesetzt werden. Beim Einschalten war zunächst kein weiterer Fehler erkennbar. Erst die anschließende Freigabe über RUN zeigte, dass auch der Leistungsteil untersucht werden musste.
Alarm 10 trat erst mit dem RUN-Signal auf
Sobald RUN anlag, erschien Alarm 10. Die mitgelieferte Yaskawa-Alarmtabelle führt die Anzeige A.10 unter „Overcurrent or overheat“, also Überstrom oder Überhitzung. Der Code allein benennt damit noch kein einzelnes defektes Bauteil. Auch der Zeitpunkt, an dem er erscheint, gehört zur Diagnose.
Die Tabelle unterscheidet unter anderem Fehler beim Einschalten der Steuerstromversorgung, beim Zuschalten des Hauptstromkreises und während des Betriebs. Als mögliche Ursachen nennt sie je nach Situation die Steuerelektronik, die Stromrückführung, das Leistungstransistormodul, einen Erdschluss im Motorbereich sowie Probleme mit Lüfter oder Umgebungstemperatur. Diese möglichen Ursachen dürfen nicht mit dem tatsächlichen Werkstattbefund gleichgesetzt werden.
Bei diesem Gerät stellten wir zusätzlich einen Defekt der Leistungsendstufe fest. Die wiederhergestellte Stromversorgung machte diesen zweiten Fehler erkennbar. Der Reparaturfall zeigt, warum die Diagnose nach dem ersten behobenen Defekt weitergeführt werden muss.
Welche Aufgabe der Servoverstärker übernimmt
Der CACR-SR44BE12G-E gehört zur Yaskawa-CACR-SR-BE-Familie. Das Typenschild nennt eine Leistung von 4,4 kW. Der dreiphasige Eingang ist für 200 bis 230 V bei 50 oder 60 Hz angegeben. Auf der Ausgangsseite sind 0 bis 230 V, drei Phasen und 33,0 A aufgeführt. Der auf dem Eingang angegebene Strom beträgt dagegen 24,0 A. Beide Stromwerte beschreiben unterschiedliche Seiten des Geräts.
Ein Servoverstärker setzt die Sollwerte der Maschinensteuerung in eine geregelte elektrische Versorgung des zugehörigen Motors um. Die Rückmeldung des Motors ermöglicht es der Regelung, dessen Bewegung zu erfassen. Die Leistungsendstufe übernimmt dabei das Schalten der Motorströme. Das interne Netzteil stellt die Hilfsversorgung für die elektronischen Funktionen bereit. Ein Defekt in einem dieser Bereiche kann somit den gesamten Antrieb stillsetzen, obwohl sich die Fehlerbilder deutlich unterscheiden.
Reparatur und standardmäßige Überholung
Wir setzten das interne Netzteil und die defekte Leistungsendstufe instand. Zusätzlich erhielt der Servopack unsere standardmäßige Überholung. Der Reparaturumfang umfasste damit beide festgestellten Fehler.
Die Baugruppenübersicht umfasst die Steuerplatine CACR-SR1B, die Leistungsplatine CACR-F2TBI-E und den Leistungsteil. Die technischen Angaben zu diesen Baugruppen finden Sie weiter unten in der Übersicht.
Bei einer Überholung sind auch Steckverbindungen, Kühlwege und benachbarte Schaltungen relevant. Welche alterungsanfälligen Bauteile einbezogen oder ersetzt werden, richtet sich nach dem Zustand des Geräts und dem vereinbarten Reparaturumfang.
Prüfung am Servoprüfstand
Zum Reparaturfall liegt eine Videoaufnahme unseres Testplatzes vor. Sie zeigt den angeschlossenen Servopack, die Prüfbedienung und die Motoren am Prüfstand. Der wichtige Zusammenhang ist hier der Übergang vom eingeschalteten Gerät zum freigegebenen Antrieb: Der zweite Fehler war gerade erst mit dem RUN-Signal aufgetreten.
Eine Prüfung nur bis zum Einschalten würde dieses Fehlerbild nicht ausreichend abdecken. Entscheidend ist auch das Verhalten bei Freigabe, Sollwertvorgabe und Motorbewegung. Dabei müssen Versorgung, Rückführung und Leistungselektronik zusammenwirken. Das eingebundene Video zeigt einen Ausschnitt am Servoprüfstand.
Was Betreiber bei einem ähnlichen Fehler beachten können
Für eine gezielte Fehlerbeschreibung ist hilfreich, ob die Anzeige vollständig dunkel bleibt oder erst beim Start ein Alarm erscheint. Auch die vollständige Anzeige, der Zeitpunkt des Auftretens und das Verhalten nach dem Einschalten sollten festgehalten werden. Diese Angaben erleichtern die Abgrenzung zwischen Versorgungsausfall und einer Störung, die erst bei aktiver Endstufe sichtbar wird.
Saubere Lüftungswege, freie Kühlkörper und funktionsfähige Lüfter unterstützen die Wärmeabfuhr. Steckverbindungen und Motorleitungen sollten im Rahmen der Instandhaltung durch Fachpersonal kontrolliert werden. Tritt ein Überstromalarm unmittelbar wieder auf, sollte die Ursache untersucht werden, bevor weitere Startversuche erfolgen. Arbeiten am Leistungsteil erfordern die Beachtung der Herstellerangaben und der gespeicherten Energie im Zwischenkreis.
Zwei Befunde in einem Reparaturfall
Der Servopack aus Rom zeigt, warum die Diagnose nach der Behebung des ersten Fehlers weitergehen muss. Zunächst verhinderte das defekte interne Netzteil den Betrieb. Anschließend machte Alarm 10 bei RUN den zusätzlichen Schaden an der Leistungsendstufe sichtbar. Beide Befunde gehörten zur Instandsetzung und zur anschließenden Überholung des Geräts.
Preis, Lieferzeit und weitere Informationen
Informationen zu Preis und Lieferzeit des Yaskawa Servopack CACR-SR44BE12G-E finden Sie auf der zugehörigen CACR-SR-BE-Produktseite. Dort ist diese Modellvariante ausdrücklich aufgeführt. Den konkreten Leistungsumfang und die Verfügbarkeit stimmen wir passend zum Auftrag ab.
Weitere Informationen zu unseren Reparaturen von Yaskawa CACR-SR Servopacks finden Sie im Servicebereich.
Kontaktieren Sie uns gerne bei Fragen zu Ihrer Yaskawa-Antriebstechnik oder zu einem konkreten Fehlerfall. Wir unterstützen Sie bei der technischen Einschätzung, Reparatur und Prüfung Ihres Gerätes.
Technische Spezifikationen
| Merkmal | Technische Information |
| Hersteller | Yaskawa Electric, Japan |
| Modell | CACR-SR44BE12G-E |
| Alternative Suchschreibweise | CACR-SR44BE12GE |
| Geräteart | AC-Servoverstärker, SERVOPACK |
| Baureihe | CACR-SR..BE |
| Leistung laut Typenschild | 4,4 kW (5,90 HP) |
| Eingang | 200–230 V AC, 3 Phasen, 50/60 Hz |
| Eingangsstrom laut Typenschild | 24,0 A |
| Ausgang | 0–230 V AC, 3 Phasen |
| Ausgangsstrom laut Typenschild | 33,0 A |
| Unterlagenreferenz | Typenschild und mitgelieferte Tabelle 14.2, Abschnitt 14.2.1 „LED Indication (7-segment) for Troubleshooting“ |
Einsatzumgebung und kompatible Geräte
Der Verstärker arbeitet im Zusammenspiel mit Maschinensteuerung, Servomotor und passender Rückführung. Vor einem Austausch müssen die vollständige Modellkennung einschließlich BE12G-E, die Hardwareausführung, die Anschlüsse und die gerätespezifischen Einstellungen abgeglichen werden.
Funktionsbeschreibung
Die Hauptversorgung stellt die elektrische Energie für den Motor bereit. Die Endstufe erzeugt daraus die angesteuerte dreiphasige Motorversorgung. Sollwert, Freigabe und Rückführung bestimmen das Betriebsverhalten. Das interne Netzteil versorgt die elektronischen Schaltungen.
Bestandteile
Die folgende Übersicht zeigt die dokumentierten Baugruppen des Servopacks und ihre Aufgaben. Sie ist keine Liste der ausgetauschten Einzelteile.
| Baugruppe | Bezeichnung | Menge | Funktion | Prüfung oder Reparatur |
| Steuerplatine | CACR-SR1B | 1 | Steuerung und Signalverarbeitung | Versorgung, Freigabe und Signale im Zusammenhang prüfen |
| Leistungsplatine | CACR-F2TBI-E | 1 | Schaltungen des Leistungsbereichs | Ansteuerung und Verbindung zum Leistungsteil prüfen |
| Leistungsteil | Nicht angegeben | 1 | Schalten der Motorleistung | Im vorliegenden Fall als defekt festgestellt und instand gesetzt |
Alarmmeldungen und Troubleshooting
Die folgende Übersicht basiert auf der Yaskawa-Alarmtabelle 14.2. Mögliche Ursachen und Maßnahmen hängen davon ab, wann der Alarm auftritt. Die Herstellerangabe „Replace the SERVOPACK“ bezeichnet einen Geräteaustausch; die hier beschriebene Instandsetzung erfolgte auf Baugruppenebene durch industrypart.
| Code | Originalbezeichnung | Bedeutung | Mögliche Ursache | Maßnahme laut Tabelle |
| A.10 | Overcurrent or overheat | Überstrom oder Überhitzung | Endstufe, Stromrückführung, Motorerdschluss, Lüfter oder Temperatur; zustandsabhängig | Erdschluss und Lüfter prüfen; bei internem Defekt Austausch. Bei defektem Transistormodul nicht erneut einschalten. |
| A.20 | Circuit protector tripped | Schutzschalter ausgelöst | Steuerplatine, Thyristormodul oder MCCB-Stellung | MCCB-Zustand zuordnen; je nach Ursache Austausch bzw. MCCB einschalten laut Tabelle. |
| A.30 | Regenerative fault | Fehler im Rückspeise-/Bremskreis | Steuerplatine, regenerativer Transistor oder Widerstandsverbindung | Widerstandsanschluss prüfen; je nach Befund SERVOPACK austauschen. |
| A.40 | Overvoltage | Überspannung | Zu große Lastträgheit oder defekter regenerativer Stromkreis | Lastträgheit prüfen; bei internem Defekt Austausch. |
| A.51 | Overspeed | Überdrehzahl | Motor-/Encoderanschluss oder Verstärkungseinstellung | Verdrahtung, Encoderphasen A/B/C und Verstärkungen prüfen. |
| A.60 | Undervoltage | Unterspannung | Defektes Thyristor-Dioden-Modul im Hauptstromkreis | SERVOPACK austauschen laut Tabelle. |
| A.71 | Instantaneous overload | Kurzzeitige Überlast | Betrieb mit Drehmoment über Nennwert | Überlast prüfen und erforderlichenfalls anpassen. |
| A.72 | Continuous overload | Dauerüberlast | Steuerplatine oder fehlerhafte Motorverdrahtung | Steuerplatinenfehler: Austausch; Motorverdrahtung korrigieren. |
| A.C1 | Overrun detection | Unkontrollierte Bewegung erkannt | Motor- oder Encoderanschluss | Motoranschluss bzw. optischen Encoderanschluss korrigieren. |
| A.C2 | Phase detection error | Phasenerkennungsfehler | Fehlerhafter Encoderanschluss | Signalleitungen des optischen Encoders korrigieren. |
| A.C3 | Phase PA/PB disconnection | Unterbrechung Encoderphase PA/PB | Unterbrochene A-/B-Encodersignale | Encoder-Signalleitungen korrigieren. |
| A.C4 | Phase PC disconnection | Unterbrechung Encoderphase PC | Unterbrochenes C-Encodersignal | Encoder-Signalleitungen korrigieren. |
| A.F1 | Open phase of power supply | Phasenausfall Versorgung | Fehlende Versorgungsphase | Hauptstromversorgung prüfen. |
| A.F2 | Power supply rise error | Störung beim Versorgungsaufbau | Starke Verzerrung der Versorgung | Hauptstromversorgung prüfen. |
| A.04 | Parameter setting error | Parameter-Einstellfehler | Wert außerhalb des Einstellbereichs | Parameter korrekt einstellen. |
Diagnosehinweise zum Hauptfehler
Alarm 10 wird in der Tabelle als A.10 geführt und steht für Überstrom oder Überhitzung. Bei diesem Servopack erschien die Meldung nach der Netzteilreparatur beim RUN-Signal. Die weitere Untersuchung bestätigte den zusätzlichen Endstufendefekt.
Der Zeitpunkt des Alarms hilft bei der Eingrenzung, ersetzt aber keine technische Prüfung. Neben der Endstufe kommen je nach Betriebszustand auch Stromrückführung, Steuerelektronik, Motorerdschluss oder Kühlungsprobleme infrage. Bei einem vermuteten Endstufenschaden sollten weitere Einschaltversuche unterbleiben; die Herstellertabelle warnt ausdrücklich vor erneutem Einschalten bei defektem Hauptstromkreis-Transistormodul.
Präventive Maßnahmen
Lüftungswege und Kühlkörper regelmäßig entsprechend Betriebsstunden und Verschmutzung kontrollieren. Lüfterfunktion durch Fachpersonal prüfen lassen. Motorleitungen, Schutzleiter und Steckverbindungen in die Wartung einbeziehen. Wiederkehrende Alarme mit vollständiger Anzeige und Betriebszustand dokumentieren. Bei einer Überholung die Hilfsspannungen und den Zustand alterungsanfälliger Bauteile anhand des Befunds bewerten. Für diesen Gerätetyp sind aus dem gelieferten Material keine festen Wartungsintervalle ableitbar.