19.02.2026 von Viktor Siebert
Reparatur eines Yaskawa Servopack SGDV-260D11A mit Prozessorplatinen-Ausfall (CPF-Fehler)
Ein Yaskawa Servopack SGDV-260D11A wurde mit der Kundenmeldung eingesendet, dass sich der Motor plötzlich nicht mehr dreht und das Display keine Anzeige zeigt. Im Zusammenspiel arbeitete der Servoverstärker mit einem Yaskawa AC Servo Motor SGMGH-1ADCA61.
Bereits beim Eingangstest zeigte sich ein ungewöhnliches Fehlerbild:
Das Gerät ließ sich einschalten, jedoch blieb das integrierte 7-Segment-Display vollständig dunkel. Erst beim Anschluss eines Handbediengeräts wurde der Fehlercode CPF angezeigt ein Hinweis auf eine interne Kommunikationsstörung innerhalb der Steuerlogik.
Technische Analyse des Fehlerbildes
Der CPF-Fehler bei Sigma-V-Servopacks weist in der Regel auf ein Problem innerhalb der CPU- oder Kommunikationsplatine hin. Die Stromversorgung der Leistungseinheit war intakt, ebenso die Zwischenkreisspannung. Das Gerät startete elektrisch korrekt, doch die digitale Signalverarbeitung blieb ohne Funktion.
Typische Ursachen für diesen Fehler sind:
- Defekt der Prozessor- bzw. Kommunikationsplatine
- Fehlerhafte Spannungsversorgung der CPU-Sektion
- Interner Busfehler
- Externe Störeinflüsse, die die Logik beschädigt haben
Nach eingehender Diagnose konnte ein klarer Defekt auf der Kommunikations- und Prozessorplatine festgestellt werden.
Vermutete Schadensursache
Unsere technische Analyse ergab eine sehr wahrscheinliche externe Ursache:
➡️ Beschädigtes Encoderkabel
Mögliche Szenarien:
- Kabel mechanisch gequetscht
- Emulsion oder Kühlmittel ins Kabel eingedrungen
- Isolationsschaden mit temporärem Kurzschluss
- Rückspeisung von Spannungsspitzen in die Logikeinheit
Ein Kurzschluss oder Masseschluss im Encoderkreis kann über die Signalleitungen die empfindliche Steuerplatine beschädigen. Gerade bei hochauflösenden Encodersystemen reagieren die Signalverarbeitungskomponenten äußerst sensibel auf Überspannungen.
Dieser Fehler tritt selten auf, ist jedoch technisch plausibel, insbesondere in Maschinenumgebungen mit Kühlschmierstoffen.
Reparaturprozess im Detail
1️⃣ Demontage und Sichtprüfung
Nach vollständiger Zerlegung des Servopacks wurde die CPU-/Kommunikationsplatine freigelegt. Es zeigten sich keine offensichtlichen thermischen Schäden, jedoch war die Platine elektrisch nicht mehr funktionsfähig.
2️⃣ Vergleich mit Referenzgerät
Ein baugleiches SGDV-Gerät aus unserem Lagerbestand diente als Referenz und Ersatzteilspender.
3️⃣ Austausch der Prozessorplatine
Die funktionierende Steuerplatine wurde fachgerecht transplantiert. Dabei wurden:
- Steckverbinder gereinigt
- Kontaktflächen geprüft
- ESD-Schutzmaßnahmen strikt eingehalten
4️⃣ EPROM-Übertragung und Parametrierung
Nach dem Hardwaretausch erfolgte die Übertragung bzw. Neuprogrammierung der EPROM-Daten, um:
- Gerätespezifische Parameter
- Motordaten
- Applikationswerte
korrekt zu hinterlegen.
5️⃣ Funktionstest am Prüfstand
Der Servopack wurde mit einem kompatiblen Testmotor unter Last geprüft:
- Hochlauf
- Drehmomentverhalten
- Encoder-Rückmeldung
- Dauerlauf unter thermischer Belastung
- Überprüfung aller Schutzfunktionen
Präventive Generalüberholung mehr als nur Platinenersatz
In diesem Fall wurde nicht nur die defekte Prozessor-/Kommunikationsplatine ersetzt.
Das Gerät wurde im Zuge der Reparatur vollständig technisch überholt.
Durchgeführte präventive Maßnahmen:
✔ Austausch aller Lüfter
✔ Reinigung aller Kühlkörper und Luftkanäle
✔ Kontrolle und ggf. Tausch der Zwischenkreiskondensatoren
✔ Sichtprüfung und ESR-Messung der Leistungskondensatoren
✔ Austausch gealterter Dichtungen
✔ Kontrolle aller Steckverbinder auf Kontaktkorrosion
✔ Nachlöten thermisch belasteter Leistungsbereiche
✔ Isolationsmessung der Leistungseinheit
✔ Belastungstest unter thermischer Dauerprüfung
Gerade bei Servoverstärkern dieser Leistungsklasse ist thermische Alterung ein entscheidender Faktor.
Eine präventive Überholung verlängert die Lebensdauer signifikant und reduziert das Risiko von:
- Zwischenkreis-Unterspannung
- Übertemperaturalarmen
- Leistungstransistor-Ausfällen
- Kontaktproblemen im Encoderkreis
Der Kunde erhält dadurch ein Gerät, das technisch auf Neugeräteniveau arbeitet, bei deutlich geringeren Investitionskosten.
Info zu dem erwähnten Servopack: Yaskawa Servopack SGDV-260D11A
Weitere Informationen zu unseren Yaskawa-Reparaturen finden Sie hier: Yaskawa Sigma V Reparatur
📞 Kontaktieren Sie uns gerne, wenn Sie Fragen zu Ihrer Yaskawa- Antriebstechnik haben. Unser Team steht Ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
Technische Spezifikationen
| Merkmal | Wert |
|---|
| Modell | SGDV-260D11A |
| Serie | Yaskawa Sigma-V |
| Eingangsspannung | 3PH 380–480 V AC |
| Frequenz | 50/60 Hz |
| Nennstrom | ca. 21,7 A |
| Ausgangsspannung | 3PH 0–480 V |
| Nennleistung | ca. 7,5 kW |
| Schutzklasse | IP10 |
| Umgebungstemperatur | 0–55 °C |
| Kühlung | Zwangsbelüftet |
| Steuerung | Digitale Servo-CPU mit Encoderfeedback |
| Kompatibler Motor | SGMGH-1ADCA61 |
| Feedbacksystem | Inkrementalencoder |
Einsatzumgebung & typische Anwendungen
Der SGDV-260D11A wird üblicherweise eingesetzt in:
- CNC-Bearbeitungszentren
- Fräsmaschinen
- Drehmaschinen
- Werkzeugmaschinen
- Automatisierten Fertigungszellen
- Verpackungsanlagen
- Robotiksystemen
Typische Kombination:
| Steuerung | Einsatz |
|---|
| Siemens CNC | Werkzeugmaschinen |
| Fanuc CNC | Fräs- und Drehzentren |
| Mitsubishi CNC | Multiachsmaschinen |
| Yaskawa Motion Controller | Automationsanlagen |
In Verbindung mit dem SGMGH-1ADCA61 wird er häufig als:
- Vorschubachse
- Spindelachse
- Positionierachse
- Synchronachse
verwendet.
Funktionsbeschreibung
Der Servopack übernimmt folgende Hauptfunktionen:
- Umwandlung von Netzspannung in geregelte Motorleistung
- Zwischenkreisregelung
- PWM-Ansteuerung der Leistungsmodule
- Stromregelkreis
- Drehzahlregelkreis
- Positionsregelkreis
- Encoder-Signalverarbeitung
- Schutzüberwachung
Schutzmechanismen:
- Überstrom
- Überlast
- Überspannung
- Unterspannung
- Übertemperatur
- Encoderkommunikationsfehler
- Kommunikationsfehler
Typische Sigma-V Alarmcodes
| Alarm | Bezeichnung | Bedeutung | Maßnahme |
|---|
| A.100 | Überstrom oder Kühlkörperüberhitzung | IGBT Überlast | Leistungsteil prüfen |
| A.300 | Regenerationsfehler | Bremskreis Fehler | Bremswiderstand prüfen |
| A.320 | Regenerative Überlast | Bremsenergie zu hoch | Widerstand anpassen |
| A.400 | Überspannung | DC-Zwischenkreis zu hoch | Netz prüfen |
| A.410 | Unterspannung | DC-Zwischenkreis zu niedrig | Netz prüfen |
| A.510 | Überdrehzahl | Drehzahl überschritten | Parameter prüfen |
| A.710 | Überlast hohe Last | Kurzzeitige Überlast | Last reduzieren |
| A.720 | Überlast niedrige Last | Dauerüberlast | Mechanik prüfen |
| A.7AB | Lüfter läuft nicht | Kühlproblem | Lüfter tauschen |
| A.810 | Encoder Backup Fehler | Positionsdaten verloren | Encoder prüfen |
| A.C90 | Encoder Verbindungsfehler | Kommunikation unterbrochen | Encoderkabel prüfen |
| CPF00 | Übertragungsfehler 1 | CPU Kommunikation gestört | Steuerplatine prüfen |
Alle Codes gemäß offizieller Sigma-V Alarmdokumentation
Zentrale Baugruppen
| Baugruppe | Funktion | Prüfhinsweis |
|---|
| IGBT-Modul | Motoransteuerung | Kurzschlussprüfung |
| DC-Zwischenkreis | Energiespeicher | ESR-Messung |
| CPU-Board | Steuerlogik | Kommunikationsprüfung |
| Encoder-Interface | Rückmeldung | Signalprüfung |
| Lüftermodul | Kühlung | Drehzahlkontrolle |
| Regenerationskreis | Bremsenergie | Widerstandsmessung |
Präventive Empfehlungen
- Encoderkabel halbjährlich prüfen
- Lüfter alle 2–3 Jahre tauschen
- Kühlkörper jährlich reinigen
- Isolationsmessung alle 24 Monate
- Steckverbinder auf Kühlschmierstoff prüfen
Diese Maßnahmen verhindern typische Sigma-V Fehler wie:
- A.C90 Encoderverbindungsfehler
- A.7AB Lüfterfehler
- A.400 Überspannung
- A.410 Unterspannung