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Yaskawa AC Servo Motor SGMGH-30ACA6S nach der Reparatur 4
16.02.2026 von Viktor Siebert
Reparaturbericht: Yaskawa AC Servo Motor SGMGH-30ACA6S mit Isolationsfehler und Encoder-Schaden

Eingangssituation und Symptome,

Der Motor kam als klassischer Notfall zu uns: Isolationsfehler, sporadische Antriebsabschaltungen und ein Geruch nach „feuchter Elektrik“, wie man ihn aus Werkzeugmaschinen kennt. Beim ersten Check war schnell klar, warum: Der Motor hatte komplett Emulsion gezogen. Die Feuchtigkeit war nicht nur äußerlich vorhanden, sondern hatte sich ihren Weg bis in den Wicklungsraum und in den Encoderbereich gesucht.

Die Isolationsmessung zeigte sofort einen kritischen Wert, und die Widerstandsmessungen bestätigten den Verdacht: Kurzschluss zwischen Wicklungen. Zusätzlich gab es Auffälligkeiten am Feedback, die auf einen Encoder-Schaden hindeuteten. In solchen Fällen ist das Risiko hoch, dass der Servoamp über Schutzfunktionen abschaltet oder im Grenzfall Leistungsteile belastet. (Typische Schutzreaktionen und Stoppverhalten bei Alarmen sind im Sigma II User Manual beschrieben.)

Befund bei Ankunft

Nach dem Zerlegen zeigte sich das volle Schadensbild:

  • Emulsionsrückstände an Dichtflächen und im Bereich der Kabelausgänge
  • Korrosionsspuren an metallischen Teilen im Encoderraum
  • Wicklungsraum mit deutlicher Feuchtebelastung
  • Messbar reduzierte Isolationswerte und Wicklung zu Wicklung Fehlerbild
  • Encoder ohne stabile Signale, teils Aussetzer, teils Totalausfall

In dieser Phase ist wichtig: Nicht „nur“ trocknen. Emulsion bringt Rückstände, Salze und leitfähige Filme mit. Wenn die nicht rauskommen, kommt der Fehler wieder.

Demontage und strukturierte Reinigung

Wir starten bei solchen Fällen immer mit einem reproduzierbaren Ablauf:

  1. Komplette Demontage bis Wicklungsraum und Encoderaufnahme frei zugänglich sind
  2. Mechanische Vorreinigung der Emulsionsreste, ohne Rückstände in Lager oder Passungen zu drücken
  3. Elektrische Baugruppen separieren: Encoder, Kabel, Dichtungen, Lager, Klemmenraum

Danach folgt die technische Reinigung in zwei Stufen:

  • Entfettende Reinigung für Emulsionsfilme und Ölanteile
  • Spülgang zur Entfernung gelöster Rückstände, damit beim Trocknen kein leitfähiger Belag bleibt

Trocknung und Wiederherstellung der elektrischen Stabilität

Der entscheidende Schritt war die kontrollierte Trocknung. „Mal eben warm machen“ reicht nicht, weil Feuchtigkeit in Lackschichten und Kapillaren sitzt. Wir nutzen deshalb eine mehrstufige Trocknung mit Temperaturführung, bis die Werte stabil sind:

  • Zwischenmessungen der Isolationswerte
  • Temperaturhaltezeiten, damit auch innenliegende Bereiche nachziehen
  • Nach dem Trocknen erneute Messung von Wicklung zu Wicklung und Wicklung zu Gehäuse

Erst als die Messwerte reproduzierbar im grünen Bereich lagen, ging es weiter. Bei diesem Motor war jedoch zusätzlich der Wicklungsschaden vorhanden, deshalb haben wir die beschädigten Bereiche instandgesetzt, bis die elektrische Integrität wieder sauber gegeben war.

Austausch aller Verschleißteile und kritischen Komponenten

Bei einem Motor, der Emulsion gezogen hat, sind bestimmte Teile grundsätzlich Kandidaten für Ersatz, weil sie später sonst Folgeschäden auslösen:

  • Lager (selbst wenn sie sich noch „okay“ anfühlen, sind Korrosion und Mikrograte oft schon da)
  • Dichtungen und alle O Ring Bereiche
  • Kabeldurchführungen und Abdichtpunkte
  • Encodernahe Kleinteile und Dichtscheiben

Der Encoder war eindeutig betroffen und wurde konsequent ersetzt durch:

  • Encoder UTSIH-B17CK
  • Neuaufbau der Encoderanbindung, Prüfung der Leitungen und Schirmung
  • Saubere Montage mit korrekter Positionierung und definiertem Sitz in der Encoderaufnahme

Justage und Programmierung des Encoders

Nach dem mechanischen Einbau folgt die „unsichtbare“ Arbeit: Justage und Parametrierung.
Wir haben den Encoder:

  • elektrisch verifiziert (Versorgung, Signalpegel, Stabilität)
  • auf saubere Signalqualität geprüft
  • anschließend im Gesamtsystem auf den Yaskawa SGDH-30AE-OY abgestimmt

Dabei ist wichtig, dass Feedback stabil ist, bevor der Antrieb wieder in den dynamischen Betrieb geht, denn Encoderfehler führen bei Sigma II sehr schnell zu klaren Alarmbildern.

Endprüfung am Teststand und Freigabe

Die Freigabe erfolgt nicht nach „läuft“, sondern nach definierten Kriterien:

  • Warmlauf und Temperaturverhalten
  • Wiederholte Brems und Beschleunigungszyklen
  • Beobachtung der Stromaufnahme und Regelstabilität
  • Kontrolle, dass keine feuchtebedingten Drift Effekte auftreten
  • Dauerlauf zur Sicherheit, dass sich keine Restfeuchte „herausschleicht“

Erst danach gilt der Motor wieder als produktionsbereit.

Ergebnis und Nutzen für den Kunden

Am Ende stand ein Motor, der wieder das macht, was er soll: stabile Isolationswerte, sauberes Drehmoment, störungsfreies Feedback und sichere Funktion am SGDH-30AE-OY.
Der entscheidende Punkt bei solchen Fällen ist nicht nur die Reparatur, sondern das Verhindern des Wiederauftretens: Emulsion ist ein „Systemproblem“ aus Dichtung, Einbausituation, Kabelzugentlastung und Umgebung. Wer hier nachschärft, spart sich den nächsten Stillstand.

Weitere Informationen wie Preis, Lieferzeit zu erwähnten Geräten:

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Yaskawa AC Servomotor SGMGH-30ACA6S

Systemzugehörigkeit: SGDH-30AE-OY (Sigma II)


IDENTIFIKATION

Hersteller: Yaskawa Electric
Baureihe: Sigma II
Motortyp: SGMGH-30ACA6S
Baujahr: 04/2001
Seriennummer: B0041F843210002
Origin: Made in Japan


LEISTUNGSDATEN (Typenschild)

ParameterWert
Nennleistung2,9 kW
Nenndrehmoment18,6 Nm
Nenndrehzahl1500 rpm
Nennspannung200 V
Nennstrom23,8 A
BetriebsartDauerbetrieb (CONT.)
IsolationsklasseF

SYSTEMKONFIGURATION

Servoverstärker: Yaskawa SGDH-30AE-OY
Spannungsklasse: 200 V
Regelverfahren: Sigma II Digital Servo Control
Encoder nach Reparatur: UTSIH-B17CK
Feedbacksystem: Inkremental



TYPISCHE SGDH (SIGMA II) ALARME SERVICE RELEVANT

CodeBedeutungRelevanz im Schadensfall
A.10ÜberstromWicklungsschluss / Kurzschluss
A.30RegenerationsfehlerZwischenkreis / Widerstand
A.40Hauptkreis SpannungsfehlerVersorgung / DC-Bus
A.C8Absolute Encoder FehlerEncoderdaten inkonsistent
A.C9Encoder KommunikationsfehlerLeitungs- oder Encoderschaden
A.CAEncoder Parameter FehlerFalsche Encoderkonfiguration
A.CbEncoder Echoback FehlerSignalreflexion / Feedbackproblem

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