12.07.2026 von Viktor Siebert
CNC-Ausfall durch sporadischen Alarm 10 am Okuma VACIV-D6 Spindle Drive
Ein Okuma VACIV-D6 Spindle Drive erreichte unsere Werkstatt mit einem schwer einzugrenzenden Fehlerbild: Während des Maschinenbetriebs erschien gelegentlich Alarm 10. Nach einem Neustart ließ sich die CNC-Maschine teilweise wieder betreiben, der Fehler trat jedoch ohne sichere Vorwarnung erneut auf.
Gerade sporadische Störungen an Spindelantrieben sind für einen Produktionsbetrieb problematisch. Solange das System funktioniert, lässt sich der Fehler häufig nicht unmittelbar reproduzieren. Tritt er während der Bearbeitung auf, wird die Spindel gestoppt und das laufende Programm unterbrochen. Neben dem eigentlichen Maschinenstillstand können dadurch Werkstücke, Werkzeuge und fest eingeplante Produktionszeiten betroffen sein.
Das bereitgestellte Okuma-Handbuch beschreibt Alarm 10 als „Motor cable overcurrent“. Gemeint ist ein innerhalb des VAC-Antriebssystems erkanntes, kurzzeitiges Überstromereignis im Motorstromkreis. Der Alarm besitzt die Alarmstufe 1a und die Verarbeitungsstufe 1. Das System schaltet dabei den Motorstrom ab und lässt den Motor frei auslaufen.
Bei einem gelegentlich auftretenden Alarm 10 muss deshalb nicht nur das Leistungsteil des Spindle Drives betrachtet werden. Ebenso wichtig sind der Spindelmotor, die Motorleitung, sämtliche Steckverbindungen, die Isolation gegen Erde und die Stromerfassung innerhalb des Antriebs.
Erste Diagnose des Okuma VACIV-D6
Die Prüfung begann mit einer vollständigen Sichtkontrolle des Gerätes und der einzelnen Baugruppen. Das übergebene VACIV-D6 besteht nach den vorliegenden Bestandsdaten aus mehreren funktional getrennten Platinen und einem Leistungsteil.
| Baugruppe | Platinenbezeichnung | Modellbezeichnung | Hersteller-Nr. | Menge |
|---|
| Steuerboard | VAC IV CPU Board | 06011-10030-10 | A006-1510 | 1 |
| Leistungsplatine | VAC IV GD Board 2 | 06011-21030 | A006-1511 | 1 |
| Verbindungsplatine | Nicht angegeben | E4809-770-077 | Nicht angegeben | 3 |
| Leistungsplatine | Power Board | E4809-820-001-B | 1006-1212 | 1 |
| Leistungsteil | D6 | Nicht angegeben | Nicht angegeben | 1 |
Zunächst wurden folgende Punkte kontrolliert:
- Verfärbungen, thermisch belastete Bereiche und beschädigte Leiterbahnen
- Verschmutzungen zwischen den einzelnen Baugruppen
- Zustand der Steckverbinder und Verbindungsplatinen
- Kontaktstellen zwischen CPU Board, Gate-Drive-Platine und Power Board
- Zwischenkreis und leistungsführende Verbindungen
- Leistungshalbleiter und deren Ansteuerung
- Strommessung und Stromrückführung
- Spannungsversorgung der Steuerelektronik
- Isolationsabstände und mögliche leitfähige Ablagerungen
- mechanischer Zustand der Baugruppen und Lötstellen
Bei einem sporadischen Überstromalarm ist eine rein statische Messung häufig nicht ausreichend. Ein Halbleiter oder eine Ansteuerstufe kann im kalten Zustand unauffällig arbeiten und erst unter Temperatur, höherem Motorstrom oder schnellen Lastwechseln instabil werden.
Das Okuma-Handbuch unterscheidet zwischen der normalen Betriebsanzeige und dem Fehlerbetrieb. Im Normalzustand sind die Status-LEDs M1, M2 und M3 ausgeschaltet. Bei einer Störung leuchtet oder blinkt mindestens eine dieser LEDs. Zusätzlich wird der Fehler als zweistellige Zahl auf der 7-Segment-Anzeige des Control Boards dargestellt. Bei Alarm 10 leuchten die dem Leistungskreis zugeordneten Anzeigen entsprechend der Fehlerlogik.
Bedeutung von Alarm 10
| Merkmal | Angabe aus der Dokumentation |
|---|
| Alarmnummer | 10 |
| Englische Bezeichnung | Motor cable overcurrent |
| Deutsche Bedeutung | Momentaner Überstrom im Motorstromkreis |
| Alarmstufe | 1a |
| Verarbeitungsstufe | 1 |
| Reaktion des Drives | Motorstrom wird abgeschaltet |
| Motorverhalten | Motor läuft frei aus |
| Zugeordnete Statusanzeige | IOCM |
| Betroffener Bereich | Leistungskreis, Motorleitung oder angeschlossene Last |
Die Bezeichnung „Motor cable overcurrent“ bedeutet nicht automatisch, dass ausschließlich die Motorleitung defekt ist. Der Antrieb erkennt einen Strom, der den zulässigen Erfassungsbereich überschreitet. Die technische Ursache kann sich an mehreren Stellen befinden:
- Kurzschluss oder zeitweise Verbindung zwischen zwei Motorphasen
- Isolationsfehler einer Motorphase gegen PE oder Motorgehäuse
- beschädigte Motorleitung
- verunreinigter oder feuchter Motorstecker
- Isolationsproblem im Spindelmotor
- Fehler im Leistungsteil des VACIV-D6
- instabile Gate-Ansteuerung
- fehlerhafte Stromerfassung
- Kontaktproblem zwischen den internen Platinen
- thermisch instabile elektronische Bauteile
Tatsächliche Fehlerursache und technische Einordnung
Da der Alarm nur gelegentlich auftrat, lag keine dauerhaft niederohmige Verbindung im Ausgang vor. Ein permanenter Kurzschluss hätte den Fehler normalerweise bereits beim Einschalten oder unmittelbar bei der ersten Ansteuerung reproduzierbar ausgelöst.
Das Fehlerbild deutete daher auf eine intermittierende Störung hin. Solche Fehler können von der Belastung, der Motordrehzahl, der Temperatur oder vom Schaltzustand der Leistungsendstufe abhängen.
Die Diagnose konzentrierte sich auf folgende mögliche Fehlerketten:
- Ein Bauteil innerhalb des Leistungsteils verändert unter Erwärmung seine elektrischen Eigenschaften.
- Die Stromerfassung meldet kurzzeitig einen unzulässig hohen Motorstrom.
- Eine instabile Gate-Ansteuerung führt zu einem fehlerhaften Schaltvorgang der Leistungshalbleiter.
- Ein Kontaktproblem zwischen GD Board, Power Board und Leistungsteil unterbricht oder verfälscht Ansteuersignale.
- Eine gealterte Spannungsversorgung beeinflusst die Steuerelektronik oder die Treiberstufen.
- Leitfähige Verschmutzungen oder geschwächte Isolationsabstände verursachen nur bei bestimmten Spannungs- und Temperaturzuständen eine Störung.
Ohne eine zusätzliche Prüfung von Motor und Motorleitung kann ein externer Fehler allerdings nicht vollständig ausgeschlossen werden. Bei erneutem Auftreten nach Einbau müssen deshalb auch die Isolation des Motors, die Motorleitung und die Steckverbindungen in der Maschine geprüft werden.
Im bereitgestellten Manual ist Alarm 10 eindeutig dem unmittelbaren Überstrom im Motorstromkreis zugeordnet. Alarm 11 bezeichnet dagegen einen Kurzschluss in einem Arm des Inverter-Brückenkreises. Diese Trennung ist für die Diagnose wichtig: Alarm 10 beschreibt zunächst das erkannte Stromereignis, während Alarm 11 ausdrücklich auf einen Brückenkurzschluss innerhalb des Inverters verweist.
Reparaturmaßnahmen
Da keine detaillierte Bauteilliste der tatsächlich erneuerten elektronischen Einzelkomponenten vorliegt, werden an dieser Stelle keine konkreten Halbleiter, Kondensatoren oder Widerstände als ausgetauscht dargestellt.
Die fachgerechte Bearbeitung eines solchen Okuma VACIV-D6 umfasst jedoch folgende Arbeitsschritte:
- vollständige Demontage der zugänglichen Baugruppen
- Reinigung der Platinen und Leistungskomponenten
- Kontrolle sämtlicher Steckverbindungen
- Prüfung der drei Verbindungsplatinen E4809-770-077
- Untersuchung des VAC IV CPU Boards 06011-10030-10
- Prüfung des VAC IV GD Board 2 mit der Nummer 06011-21030
- Kontrolle des Power Boards E4809-820-001-B
- elektrische Prüfung des D6-Leistungsteils
- Kontrolle der Ansteuersignale zwischen CPU Board und Gate Drive
- Prüfung der internen Versorgungsspannungen
- Untersuchung der Strommess- und Schutzschaltungen
- thermische Prüfung auffälliger Baugruppen
- Nacharbeit auffälliger Löt- und Kontaktstellen
- abschließende Isolations- und Sicherheitsprüfung
Besondere Aufmerksamkeit galt der Verbindung zwischen der Steuerung, dem Gate-Drive-Bereich und dem Leistungsteil. Eine zuverlässige Endstufenansteuerung setzt voraus, dass die Schaltbefehle des CPU Boards sauber übertragen und von der GD-Platine korrekt umgesetzt werden.
Bereits kleine Übergangswiderstände, gealterte Kontaktflächen oder thermisch beanspruchte Lötstellen können bei einem älteren Spindle Drive zu Fehlern führen, die im unbelasteten Zustand nicht sichtbar sind.
Diagnose des externen Motorstromkreises
Vor dem erneuten Einsatz des Okuma VACIV-D6 sollte die Maschine ergänzend auf folgende Punkte untersucht werden:
| Prüfpunkt | Vorgehensweise | Hintergrund |
|---|
| Motorleitung U, V, W | Durchgang und Phasenwiderstände prüfen | Unterbrechungen und Kontaktprobleme erkennen |
| Isolation gegen PE | Motor und Leitung vom Drive trennen und geeignet prüfen | Erdschluss oder geschwächte Isolation ausschließen |
| Motorstecker | Auf Öl, Feuchtigkeit, Kühlmittel und Verschmutzung prüfen | Leitfähige Ablagerungen können Überstrom auslösen |
| Klemmstellen | Schrauben und Kontakte kontrollieren | Lose Verbindungen erzeugen Erwärmung und Lichtbögen |
| Spindelmotor | Wicklungswiderstände vergleichen | Phasenabweichungen können auf Wicklungsschäden hinweisen |
| mechanische Last | Spindel, Lager und Antrieb kontrollieren | Schwergängigkeit erhöht den Motorstrom |
| Schirmung und Erdung | Leitungsführung und PE-Verbindungen prüfen | Störungen der Stromerfassung vermeiden |
Eine Isolationsmessung darf nicht über die angeschlossene Elektronik des Spindle Drives durchgeführt werden. Der Motor und die Motorleitung müssen dafür fachgerecht vom VACIV-D6 getrennt werden.
Endprüfung und Rückversand
Nach Abschluss der Arbeiten wurde der Okuma Spindle Drive erneut zusammengebaut und für die Funktionsprüfung vorbereitet. Bei der Endkontrolle wurden die Baugruppen nicht nur im Einschaltzustand betrachtet. Entscheidend war die Überwachung des Drives über unterschiedliche Betriebs- und Temperaturzustände.
Die Prüfung umfasste:
- kontrolliertes Einschalten der Steuerspannung
- Prüfung der POWER-, LOSS- und CPUALM-Anzeigen
- Kontrolle der 7-Segment-Anzeige
- Beobachtung der Betriebsstatus-LEDs
- Freigabe des Leistungsteils
- Prüfung der Ansteuerung des Motorstromkreises
- Wechsel zwischen unterschiedlichen Drehzahl- und Lastzuständen
- wiederholte Beschleunigungs- und Verzögerungsvorgänge
- Temperaturbeobachtung der Leistungselektronik
- längere Betriebsphase zur Erkennung sporadischer Fehler
- wiederholte Start- und Stoppsequenzen
Laut Manual zeigt die POWER-LED an, dass die Steuerversorgung des VAC-Drives vorhanden ist. Die LOSS-LED weist auf eine Spannung außerhalb der Vorgabe innerhalb der Rechenschaltung hin. Die rote CPUALM-Anzeige kennzeichnet einen Fehler im Berechnungs- beziehungsweise Steuerkreis. Die weiteren LEDs dienen im normalen Betrieb als Ein- und Ausgangsanzeigen und im Fehlerfall zur Eingrenzung der Alarmursache.
Erst nach stabiler Funktion über die gesamte Prüfdauer wurde das Gerät für den Rückversand vorbereitet.
Preis und Lieferzeit für Okuma VACIV-D6 Drive Unit
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Technische Daten des Okuma VACIV-D6
| Technisches Merkmal | Dokumentierte Angabe |
|---|
| Hersteller | Okuma |
| Gerätebezeichnung | VACIV-D6 |
| Alternative Schreibweisen | VAC IV-D6, VAC IV D6, Okuma D6 Spindle Drive |
| Geräteklasse | Spindle Drive Unit, CNC Drive, Spindle Amplifier |
| Funktion | Ansteuerung und Regelung eines VAC-Spindelmotors |
| Achsen | Spindelantrieb, teilweise mit C-Achs-Funktion gemäß Systemausführung |
| Steuerboard | VAC IV CPU Board 06011-10030-10 |
| Steuerboard Hersteller-Nr. | A006-1510 |
| Gate-Drive-Platine | VAC IV GD Board 2, 06011-21030 |
| Gate-Drive Hersteller-Nr. | A006-1511 |
| Power Board | E4809-820-001-B |
| Power Board Hersteller-Nr. | 1006-1212 |
| Verbindungsplatinen | E4809-770-077, insgesamt drei Stück |
| Leistungsteil | D6 |
| Diagnoseanzeige | Zweistellige 7-Segment-Anzeige |
| Statusanzeigen | POWER, LOSS, CPUALM, M1, M2, M3 und LEDs 1 bis 13 |
| Alarmübertragung | Alarmdaten werden an die NC übertragen und am CRT angezeigt |
| Spannung | Im vorliegenden Dokumentauszug nicht angegeben |
| Ausgangsstrom | Im vorliegenden Dokumentauszug nicht angegeben |
| Ausgangsleistung | Im vorliegenden Dokumentauszug nicht angegeben |
| Frequenzbereich | Im vorliegenden Dokumentauszug nicht angegeben |
| Software-Version | Nicht angegeben |
| Gewicht | Nicht angegeben |
| Schutzklasse | Nicht angegeben |
Einsatzbedingungen
Die hochgeladene Unterlage enthält keine vollständige Spezifikation der zulässigen Einsatzbedingungen des VACIV-D6. Daher werden keine Temperatur-, Feuchtigkeits- oder Höhenwerte aus anderen Geräteserien übernommen.
| Einsatzbedingung | Angabe |
|---|
| Zulässige Umgebungstemperatur | Im bereitgestellten VAC-Dokument nicht genannt |
| Lagerungstemperatur | Nicht genannt |
| Relative Luftfeuchtigkeit | Nicht genannt |
| Zulässige Aufstellungshöhe | Nicht genannt |
| Schutzart | Nicht genannt |
| Einbauumgebung | Schaltschrank einer CNC-Werkzeugmaschine |
| Kühlung | Ausreichende Luftzirkulation und freie Kühlwege erforderlich |
| Verschmutzungsschutz | Schutz vor Ölnebel, Kühlmittel, Staub und Metallpartikeln erforderlich |
| Erdung | Sichere Schutzleiter- und Maschinenmasseverbindung erforderlich |
Unabhängig von fehlenden Zahlenwerten sollte die Umgebung des Spindle Drives trocken, sauber und ausreichend gekühlt sein. Verschmutzte Kühlwege und leitfähige Ablagerungen erhöhen die thermische und elektrische Belastung der Baugruppen.
Zusammenarbeit mit anderen Geräten
Aus der bereitgestellten Dokumentation lassen sich folgende Systembeziehungen ableiten:
- Okuma CNC-Steuerung mit CRT- beziehungsweise Bedienpanel
- VAC-Spindelmotor
- Motorleitung zwischen VACIV-D6 und Spindelmotor
- Drehzahl- beziehungsweise Positionsrückführung
- Maschinenfreigabe und Machine-Ready-Signal
- Emergency-Stop-Signal
- Signale zur Wicklungsumschaltung
- Drehmomentbegrenzung
- Hoch- und Niedrigdrehzahlbereich
- C-Achs-Funktion, sofern in der Maschine vorgesehen
- regenerative Hauptschaltung
- externe Schütze für die Wicklungsumschaltung
Die normale Statusanzeige des Manuals nennt unter anderem folgende Ein- und Ausgangssignale:
| Signal | Bedeutung |
|---|
| MS ON | Startbefehl für die Hauptkreisaufladung |
| SFR | Versorgung beziehungsweise Freigabe des Motorleistungskreises |
| WCHG | Befehl zur Wicklungsumschaltung |
| TLMC | Drehmomentbegrenzung |
| MRDY | Machine Ready |
| EMR | Not-Halt |
| AWCHG | Rückmeldung Wicklungsumschaltung abgeschlossen |
| HMSCHG | Magnet-/Schützsignal für den Hochdrehzahlbereich |
| LMSCHG | Magnet-/Schützsignal für den Niedrigdrehzahlbereich |
| ZERO | Nullgeschwindigkeit |
| AGRE | Drehzahl erreicht |
| SRDY | Betriebsbereit |
Funktionsbeschreibung
Der Okuma VACIV-D6 ist ein Spindelantrieb für CNC-Werkzeugmaschinen. Seine Aufgabe besteht darin, die elektrische Energie so aufzubereiten, dass der angeschlossene VAC-Spindelmotor entsprechend den Vorgaben der CNC geregelt betrieben werden kann.
Das VAC IV CPU Board verarbeitet die Steuer- und Rückmeldesignale. Dazu gehören Drehzahlvorgaben, Maschinenfreigaben, Schutzmeldungen und Statusinformationen. Das GD Board übernimmt die Ansteuerung des Leistungsteils. Das Power Board und das D6-Leistungsteil schalten die für den Motor erforderlichen Ströme.
Während des Betriebs überwacht das System unter anderem:
- Motordrehzahl
- Drehzahlvorgabe
- Motorstrom
- Leistungskreis
- Zwischenkreisspannung
- Eingangsspannung
- Phasenzustand
- Kühlkörpertemperatur
- Motorüberlastung
- Resolver- beziehungsweise PG-Signale
- Kommunikation mit der NC
- RAM- und CPU-Funktionen
- Wicklungsumschaltung
Das Handbuch unterscheidet zwei Alarmgruppen. Ein Teil der Alarme wird direkt im VAC-Drive erkannt. Dazu gehören Leistungskreisalarme wie Motorüberstrom, Inverter-Brückenkurzschluss, Überspannung oder Unterspannung. Andere Meldungen werden von der NC erkannt, beispielsweise Start-, Kommunikations- oder Dateifehler.
Direkt im VAC-Drive erkannte Alarme erscheinen sowohl auf dem CRT der NC als auch auf der 7-Segment-Anzeige und über die entsprechenden Status-LEDs. Alarme, die ausschließlich in der NC erkannt werden, erscheinen dagegen nur auf dem Bedienbildschirm.
Betriebsreaktion der Alarmstufen
| Verarbeitungsstufe | Reaktion des VAC-Systems |
|---|
| 1 | Motorstrom wird sofort abgeschaltet, Motor läuft frei aus |
| 2 | Drehzahl wird reduziert, Motor wird gestoppt, danach Stromabschaltung |
| 3 | Äußere Reaktion wie bei Stufe 2, jedoch andere interne Verarbeitung |
| 4 | Alarm wechselt nach 30 Sekunden auf Stufe 3 |
Alarm 10 besitzt die Verarbeitungsstufe 1. Aus diesem Grund wird der Motorstrom ohne geregeltes Abbremsen abgeschaltet.
Alarm- und Fehlercodes des Okuma-VAC-Systems
Die folgende Tabelle basiert auf der Alarmübersicht des hochgeladenen VAC-Handbuchs. Die Reset-Angaben sind funktionsbezogen formuliert, da die beigefügte Unterlage die Alarmstufen zeigt, aber nicht für jeden einzelnen Code eine separate Reset-Taste nennt. Vor einem Reset muss die Ursache beseitigt werden.
| Alarm | Fehlername | Bedeutung | Reset | Maßnahme |
|---|
| 01 | P.G. count error | Erkannte PG-Impulszahl überschreitet die PBU-Daten | Nach Ursachenbeseitigung und Neustart | PG, Rückführung und PBU-Daten prüfen |
| 02 | Excessive motor speed | Tatsächliche Motordrehzahl ist zu hoch | Nach Stillstand und Ursachenbeseitigung | Drehzahlregelung und Rückführung prüfen |
| 03 | APA speed | Erkannte Spindeldrehzahl ist zu hoch | Nach Ursachenbeseitigung | Drehzahlerfassung und Regelung prüfen |
| 04 | CON speed | Geschwindigkeitsbefehl oder Vorschubdaten sind zu hoch | Nach Korrektur | NC-Befehl und Kommunikationszeitpunkt prüfen |
| 05 | DIFF over | Zu große Abweichung im C-Achsbetrieb | Nach Korrektur | C-Achs-Regelung und Mechanik prüfen |
| 06 | Resolver error | Resolver-Signal wird nicht ausgegeben | Nach Reparatur | Resolver, Leitung und Eingangsschaltung prüfen |
| 07 | RAM parity error | RAM kann nicht korrekt gelesen oder beschrieben werden | Neustart nach Prüfung | CPU Board und RAM-Bereich prüfen |
| 08 | Communication error | Kommunikation zwischen VAC und NC unterbrochen oder fehlerhaft | Nach Kommunikationsprüfung | Leitung, Steckverbindungen und NC prüfen |
| 09 | Command error | Übertragener Befehl ist undefiniert oder nicht ausführbar | Nach Befehlskorrektur | NC-Daten und Programm prüfen |
| 10 | Motor cable overcurrent | Momentaner Überstrom im Motorstromkreis | Nach Beseitigung des Überstroms | Motorleitung, Motor, Isolation, Leistungsteil und Strommessung prüfen |
| 11 | Inverter bridge short | Kurzschluss in einem Arm der Inverterbrücke | Nicht erneut freigeben, bevor Ursache geklärt ist | Leistungshalbleiter und Gate-Ansteuerung prüfen |
| 12 | Regenerator IGBT short | Überstrom im regenerativen Hauptkreis | Nach Reparatur | Regenerations-IGBT und Beschaltung prüfen |
| 13 | Power circuit overvoltage | Zu hohe Gleichspannung im Hauptkreis | Nach Spannungsabbau | Netzversorgung und Regenerationskreis prüfen |
| 14 | Input voltage drop | Dreiphasige Eingangsspannung liegt unter dem Sollbereich | Nach stabiler Versorgung | Einspeisung, Schütz und Leitungen prüfen |
| 15 | Open phase | Eine Phase der dreiphasigen Einspeisung fehlt | Nach Wiederherstellung aller Phasen | Sicherungen, Schütze und Klemmen prüfen |
| 16 | Loss of arithmetic circuit power | Steuerspannung auf dem Control Board ist zu niedrig | Nach Reparatur | interne Spannungsversorgung prüfen |
| 17 | Power circuit low voltage | Gleichspannung des Hauptkreises steigt nicht an | Nach Prüfung | Lade- und Leistungskreis prüfen |
| 18 | INT loop error | Interne Interrupt-Verarbeitung nicht korrekt | Neustart nach Diagnose | CPU Board und Störeinflüsse prüfen |
| 19 | Motor overload | Motortemperatur über dem zulässigen Wert | Nach Abkühlung und Ursachenbeseitigung | Last, Motor und Kühlung prüfen |
| 20 | Heat sink overheat | Kühlkörpertemperatur des Drives zu hoch | Nach Abkühlung | Kühlung, Lüfter und Kühlkörper prüfen |
| 21 | Data setting abnormal | PBU-Daten oder Onlineparameter liegen außerhalb des Bereichs | Nach Korrektur | Datensätze und Parameter prüfen |
| 22 | Internal velocity command too fast | Interner Drehzahlbefehl ist zu hoch | Nach Korrektur | Regelparameter und Sollwert prüfen |
| 23 | P.G. error | Signal des magnetischen Impulsgebers fehlt | Nach Reparatur | PG, Leitung und Stecker prüfen |
| 24 | P.G. marker latch data error | Markerzählwert überschreitet die PBU-Daten | Nach Korrektur | Marker, PG und PBU-Daten prüfen |
| 25 | Cycle over error | Interner Zyklusfehler des VAC | Neustart nach Diagnose | CPU Board und Ablaufverarbeitung prüfen |
| 26 | Watchdog error | Watchdog-Timer wird nicht zurückgesetzt | Neustart nach Diagnose | CPU Board und Versorgung prüfen |
| 27 | A/D access alarm | A/D-Zugriff erfolgt während einer Wandlung | Nach Reparatur | A/D-Schaltung und CPU Board prüfen |
| 28 | Master CPU error | Hardware- oder Verarbeitungsfehler der Master-CPU | Nach Diagnose | CPU Board prüfen beziehungsweise instand setzen |
| 29 | Slave CPU error | Hardware- oder Verarbeitungsfehler der Slave-CPU | Nach Diagnose | CPU Board prüfen beziehungsweise instand setzen |
| 30 | Excessive velocity deviation error | Abweichung der Motordrehzahl ist zu groß | Nach Ursachenbeseitigung | Motor, Rückführung, Last und Regelung prüfen |
| 31 | Winding changeover error | Schütz der Wicklungsumschaltung wird nicht eingeschaltet | Nach Reparatur | Umschaltschütze, Ansteuerung und Rückmeldung prüfen |
| 32 | RAM error | RAM-Inhalt kann beim Einschalten nicht gelöscht werden | Neustart nach Diagnose | RAM und CPU Board prüfen |
Präventive Maßnahmen für den Maschinenbetreiber
Bei einem älteren Okuma VACIV-D6 sollte die Wartung nicht erst beginnen, wenn der Spindelantrieb endgültig ausfällt.
| Maßnahme | Empfehlung |
|---|
| Schaltschrankfilter kontrollieren | Regelmäßig auf Verschmutzung und Luftdurchsatz prüfen |
| Kühlwege reinigen | Staub, Ölnebel und Metallpartikel entfernen |
| Steckverbindungen prüfen | Auf Erwärmung, Oxidation und lockere Kontakte achten |
| Motorleitung kontrollieren | Scheuerstellen, Quetschungen und Ölbelastung vermeiden |
| Motorstecker prüfen | Trocken und frei von Kühlmittel halten |
| Spindelmotor überwachen | Laufgeräusche, Temperatur und Stromaufnahme beobachten |
| Alarmhistorie dokumentieren | Drehzahl, Last und Betriebszustand beim Fehler notieren |
| Lüfter kontrollieren | Schwergängige oder laute Lüfter frühzeitig ersetzen |
| Erdung prüfen | Einheitliche und niederohmige PE-Verbindungen sicherstellen |
| Elektronik reinigen | Nur fachgerecht und spannungsfrei durchführen |
Bei Alarm 10 sind Angaben zum Zeitpunkt des Fehlers besonders hilfreich. Relevant ist beispielsweise, ob der Alarm beim Start, bei einer bestimmten Drehzahl, während der Beschleunigung, beim Werkzeugkontakt oder erst nach längerer Laufzeit erscheint.
Fazit
Der gelegentliche Alarm 10 am Okuma VACIV-D6 ist ein ernstzunehmender Überstromalarm im Motorstromkreis. Die Ursache kann sowohl innerhalb des Spindle Drives als auch im angeschlossenen Motor, in der Motorleitung oder an den Steckverbindungen liegen.
Eine zuverlässige Reparatur erfordert deshalb mehr als den Austausch einer einzelnen Platine. Erst die gemeinsame Betrachtung von CPU Board, Gate-Drive-Platine, Power Board, D6-Leistungsteil, Stromerfassung und externem Motorstromkreis ermöglicht eine belastbare Diagnose.
Gerade bei sporadischen Fehlern ist eine längere Prüfung unter wechselnden Betriebsbedingungen entscheidend. Nur dadurch lassen sich temperatur- und lastabhängige Störungen erkennen, die bei einer kurzen Einschaltprüfung unauffällig bleiben.z