31.03.2026 von Viktor Siebert
Okuma Servo Drive Unit MIV0102A-1-B5 (1006-2325) mit Alarm 03 Inverter DC bus voltage error und Alarm 05 Inverter overheat durch Kühlungsproblem und verschlissene Leistungsstufe
Ausgangssituation und Fehlerbild.
Bei diesem Reparaturfall ging es um eine Okuma Servo Drive Unit MIV0102A-1-B5 aus der MIV Serie. Der Kunde meldete einen periodisch auftretenden Alarm 03 Inverter DC bus voltage error und zusätzlich Alarm 05 Inverter overheat. Auffällig war, dass das Gerät nicht dauerhaft tot war, sondern die Fehler zunächst nur sporadisch auftraten. Genau dieses Verhalten ist in der Praxis kritisch, weil die Einheit über längere Zeit noch teilweise arbeitet und dadurch der eigentliche Schaden oft zu spät erkannt wird.
In unserer Testmaschine ließ sich das vom Kunden beschriebene Verhalten nachvollziehen. Die Alarme traten unter realistischen Betriebsbedingungen tatsächlich auf. Laut Okuma Alarmtabelle steht Alarm 03 für eine unzulässige Über oder Unterspannung des Zwischenkreises im Inverter. Alarm 05 steht für eine zu hohe Gerätetemperatur im Invertermodul. Beides sind keine zufälligen Meldungen, sondern passen technisch sehr gut zu einem thermisch überlasteten Leistungsteil mit verschlechterter Kühlung. Die Dokumentation der MIV Einheit beschreibt genau diese beiden Alarme so.
Vor dem Öffnen oder Abziehen von Steckern immer spannungsfrei schalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Entladezeit abwarten und Spannungsfreiheit prüfen. Messungen an spannungsführenden Teilen nur durch Elektrofachkraft mit geeigneter Ausrüstung und nach lokalen Regeln.
Eingangskontrolle und erste Diagnose
In der Eingangskontrolle zeigte sich zunächst kein mechanischer Totalausfall. Die Einheit war äußerlich vollständig, Stecker und Anschlüsse waren unauffällig. Entscheidend war deshalb die Funktionsprüfung unter Lastbedingungen. Dabei fiel früh auf, dass der Lüfter zwar noch anlief, aber kaum noch wirksam förderte. Nach dem Öffnen war die Ursache schnell sichtbar. Der Lüfter war massiv mit Schmutz zugesetzt und drehte mechanisch nur noch schwer. Damit war die Kühlreserve des Geräts praktisch nicht mehr vorhanden.
Schon an diesem Punkt war klar, dass Alarm 05 nicht als isolierter Lüfterfehler bewertet werden darf. Wenn ein Inverter über längere Zeit mit mangelhafter Luftförderung betrieben wird, steigt nicht nur die Temperatur. Es altert gleichzeitig die gesamte Leistungssektion deutlich schneller. Genau deshalb haben wir die Diagnose nicht auf den Lüfter beschränkt, sondern die thermisch belasteten Funktionsbereiche komplett bewertet.
Technische Analyse
Die MIV0102A-1-B5 ist ein digitaler AC Servo Antrieb für Okuma Werkzeugmaschinen. Die Einheit arbeitet mit einem DC Zwischenkreis und versorgt daraus die Inverterstufe für die Achsen. Laut den vorliegenden Gerätedaten handelt es sich um einen 2 Achsen Typ, ausgelegt für ca. 1,0 kW auf der L Achse und ca. 2,0 kW auf der M Achse. Die Versorgung des Leistungsteils erfolgt über ca. 300 V DC, die Steuerung zusätzlich mit 24 V DC. Als typische Betriebsbedingungen werden 0 bis 40 °C und bis 80 Prozent Luftfeuchte nicht kondensierend genannt. Auch die Frontanzeige mit 7 Segment LED dient zur Ausgabe der Alarmcodes.
Technisch ergibt sich hier eine klare Ursache Wirkung Kette. Der verschmutzte und schwergängige Lüfter reduzierte die Wärmeabfuhr. Dadurch stieg die Temperatur im Inverter. Unter dieser dauerhaften thermischen Belastung verschlechterte sich der Zustand der Leistungsstufe deutlich. In diesem Fall waren die stark belasteten Halbleiterbereiche und die gealterten Elektrolytkondensatoren bereits im kritischen Zustand. Das erklärt auch, warum Alarm 03 und Alarm 05 gemeinsam auftreten konnten.
Alarm 05 passt direkt zur unzulässigen Temperaturerhöhung im Inverter. Alarm 03 ist in so einem Fall oft die Folgewirkung. Wenn das Leistungsteil unter Temperaturstress instabil arbeitet, kann die Zwischenkreisspannung nicht mehr sauber verarbeitet werden. Dann wird nicht zwingend die externe Einspeisung schlecht sein. Auch interne Schwäche im Leistungsteil kann dazu führen, dass die DC Bus Überwachung an die Grenze kommt. Das ist genau der Punkt, an dem ein einfacher Lüftertausch nicht mehr ausreicht. Die Kühlung war der Auslöser, aber nicht mehr der einzige Schaden.
Auffällig und praxisnah ist, dass solche Einheiten oft noch eine Zeit lang starten, referenzieren oder in Teillast laufen. Unter längerer Belastung oder bei höheren Umgebungstemperaturen kippt das System dann in Übertemperatur oder Zwischenkreisfehler. Das erklärt, warum Kunden solche Schäden häufig zuerst als sporadische Störung wahrnehmen.
Reparaturmaßnahmen und Instandsetzung
Im Reparaturprozess wurde die Einheit vollständig geöffnet, gereinigt und technisch bewertet. Der verschmutzte Lüfter wurde nicht nur als Einzelursache betrachtet, sondern als Hinweis auf eine bereits fortgeschrittene thermische Vorschädigung der gesamten Leistungssektion.
Die Instandsetzung umfasste deshalb die gründliche Reinigung der Luftführung und Kühlflächen, den Austausch der verschlissenen Kühlungskomponenten sowie die Überarbeitung der thermisch und elektrisch belasteten Funktionsbereiche im Leistungsteil. Zusätzlich wurden gealterte speichernde und glättende Baugruppen der Leistungsversorgung ersetzt, weil deren Zustand bereits kritisch war und ein Weiterbetrieb ohne Überarbeitung absehbar erneut zu Ausfällen geführt hätte. Die betroffenen Leistungsbereiche wurden nach der Instandsetzung erneut elektrisch und thermisch bewertet.
Wichtig war in diesem Fall die Entscheidung gegen eine Minimalreparatur. Ein reiner Lüfterwechsel hätte zwar kurzfristig die Luftförderung wiederhergestellt, aber die bereits geschwächte Leistungsstufe nicht stabilisiert. Damit wäre die Ausfallwahrscheinlichkeit hoch geblieben. Genau deshalb wurde hier funktional instand gesetzt und nicht nur symptomorientiert.
Als präventive Maßnahme ist bei solchen Geräten der rechtzeitige Lüfterwechsel entscheidend. Wenn die Kühlung noch vor dem mechanischen Verschleißende erneuert wird und die Schaltschrankumgebung sauber bleibt, lassen sich viele dieser Übertemperatur und Folgeschäden vermeiden.
Abschließender Funktionstest
Nach der Instandsetzung erfolgte die Prüfung in der Testmaschine unter praxisnahen Bedingungen. Getestet wurden das Ein Aus Verhalten, die stabile Freigabe, das Verhalten bei niedriger Last und die thermische Entwicklung über die Prüfdauer. Zusätzlich wurde das Verhalten beim Wiederanlauf nach mehreren Zyklen beobachtet, weil genau dort instabile Leistungsstufen oft wieder auffällig werden.
Die Einheit lief nach der Instandsetzung ohne erneutes Auftreten von Alarm 03 und Alarm 05. Das Temperaturverhalten blieb stabil, die Ausgangsstufe arbeitete im Test reproduzierbar und ohne thermisch bedingte Abschaltungen. Auch nach wiederholtem Ein und Ausschalten sowie unter längerer Laufzeit zeigten sich keine Auffälligkeiten mehr.
Fazit
Der eigentliche Auslöser war ein stark verschmutzter und schwergängiger Lüfter. Der entscheidende technische Schaden lag aber tiefer. Durch die dauerhaft unzureichende Kühlung war die Leistungsstufe bereits so weit gealtert, dass Alarm 03 und Alarm 05 im realen Betrieb nachvollziehbar wurden. In so einem Fall reicht ein Lüftertausch alleine nicht mehr aus.
Nach Reinigung, Überarbeitung der belasteten Leistungsbereiche und Erneuerung der betroffenen Kühl und Versorgungsfunktionen konnte die Einheit wieder stabil geprüft werden. Nachhaltig ist die Reparatur vor allem deshalb, weil nicht nur der sichtbare Auslöser beseitigt wurde, sondern auch die bereits geschädigten Funktionsbereiche mit instand gesetzt wurden.
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Technische Spezifikationen
| Feld | Wert |
|---|
| Hersteller | Okuma |
| Gerätetyp | Digitaler AC Servo Antrieb / Inverter Unit |
| Modellbezeichnung | MIV0102A-1-B5 |
| Serie | MIV |
| Leistung | L Achse ca. 1,0 kW, M Achse ca. 2,0 kW |
| Eingangsspannung | ca. 300 V DC Leistungsteil, 24 V DC Steuerteil |
| Ausgangsspannung | DC Zwischenkreis intern, motorseitig inverterabhängig |
| Nennstrom | nicht eindeutig im vorliegenden Alarmdokument, geräteabhängig |
| Steuerungsart | Digitaler AC Servo Antrieb |
| Rückführung | Encoder Link, passend zu Okuma BL Servomotoren |
| Kühlung | Zwangskühlung mit Lüfter |
| Schutzart | ca. Schaltschrankgerät, genaue Schutzart im vorliegenden Dokument nicht genannt |
| Umgebungstemperatur | 0 °C bis 40 °C |
| Montage | Schaltschrankmontage |
| Herkunft | Okuma CNC Werkzeugmaschinen |
| Produktstatus | ältere Serie, in vielen Anlagen nur noch im Bestand oder Ersatzteilmarkt verfügbar |
Einsatzumgebung und Einsatzmöglichkeiten
Die MIV0102A-1-B5 wurde typischerweise in Okuma CNC Werkzeugmaschinen eingesetzt. Durch die zweiachsige Auslegung findet man solche Einheiten häufig in Achsantrieben von Bearbeitungszentren, Drehmaschinen und vergleichbaren Maschinenkonzepten.
Typische Baujahre liegen eher im älteren Bestandsmaschinenbereich. In der Praxis sind solche Einheiten heute vor allem in Anlagen relevant, bei denen die Originaltechnik weiter betrieben wird und eine Ersatzbeschaffung nur eingeschränkt möglich ist.
Typische Anwendungen sind Achsbewegungen mit hoher Wiederholgenauigkeit, Positionsregelung und geregelter Beschleunigung über das Okuma Systemumfeld. Anforderungen an Umgebung und Schaltschrank sind saubere Luftführung, funktionierende Lüfter, freie Kühlwege, stabile Spannungsversorgung und eine begrenzte Umgebungstemperatur. Kritisch sind Staub, Ölnebel, verstopfte Luftkanäle und lange thermische Dauerlast.
Funktionsbeschreibung
Grundfunktion der Einheit ist die Umwandlung der bereitgestellten Zwischenkreisspannung in einen geregelten Motorstrom für die angeschlossenen Achsen. Leistungsteil, Regelung und Rückführung arbeiten dabei eng zusammen.
Das Leistungsteil übernimmt die Energieumsetzung. Die Regelung verarbeitet Sollwerte und überwacht interne Zustände. Die Rückführung liefert die Lage und Bewegungsinformation des Motors an die Steuerung zurück. Über Servo Link, Encoder Link und Converter Link ist die Einheit in das Okuma System eingebunden.
Die Freigabe der Achsen erfolgt nur bei plausiblen internen Zuständen. Schutzlogiken überwachen unter anderem Zwischenkreisspannung, Temperatur, Überstrom, Kommunikationszustände und Rückführung. Die thermische Überwachung ist sicherheitsrelevant, weil ein thermisch überlastetes Leistungsteil schnell Folgeschäden auslösen kann. Die Signalüberwachung ist ebenso sicherheitsrelevant, weil Rückführungs oder Kommunikationsfehler unmittelbar die Achsregelung betreffen.
Alarmmeldungen und Troubleshooting
| Alarmcode | Beschreibung | Mögliche Ursache | Empfohlene Maßnahme |
|---|
| 01 | Power supply unit error | Fehler im Versorgungsmodul, Spannungsproblem, Regeneration oder Statusfehler | Quellspannung prüfen, Betriebsbedingungen prüfen, MPS/MPR prüfen |
| 02 | Converter link error | Kommunikationsfehler oder Timeout im Converter Link | Converter Link Kabel prüfen, MIV prüfen, MPS/MPR prüfen |
| 03 | Inverter DC bus voltage error | Zwischenkreisspannung zu hoch oder zu niedrig | Quellspannung prüfen, MIV prüfen, MPS/MPR prüfen |
| 04 | Motor power line over current | Überstrom in der Motorleitung | Motor prüfen, MIV prüfen |
| 05 | Inverter overheat | Invertertemperatur zu hoch | Betriebsbedingungen und Kühlung prüfen, MIV prüfen |
| 06 | Inverter overload | Elektronische Überlast im Inverter | Last reduzieren, Betriebsbedingungen prüfen, Servo Data File prüfen, MIV prüfen |
| 07 | Commercial power source error | Eingangsspannung fehlerhaft | Netzspannung prüfen, Leistungskabel prüfen, MPS/MPR prüfen |
| 09 | Motor winding changeover error | Fehler bei Wicklungsumschaltung | Umschaltmagnet bzw. Umschaltfunktion prüfen |
| 10 | Encoder communication error | Kommunikationsfehler über Encoder Link | Encoder der Achse prüfen, Encoderkabel prüfen, MIV prüfen |
| 11 | Encoder error | Motorencoder liefert keine gültige Positionsdaten | Motorencoder prüfen bzw. ersetzen |
| 12 | Encoder initialization error | Fehler bei Initialisierung des Motorencoders | Encoder, Encoderkabel und MIV prüfen |
| 17 | Magnetic encoder error | Magnetgeberfehler oder Abweichung zur Servodatendatei | Servodatendatei prüfen, Magnetgeber und Kabel prüfen |
| 18 | Resolver error | Resolverfehler oder Unterbrechung | Resolver und Resolverkabel prüfen |
| 20 | Motor overheat | Motortemperatur zu hoch | Betriebsbedingungen, Motor, Encoder und Encoderkabel prüfen |
| 21 | Servo link communication error | Fehler im Servo Link zur NC | Servo Link Kabel, MIV und FCP Board prüfen |
| 24 | Servo data error | Übertragene Servodaten nicht verarbeitbar | Servo Data File und NC Software prüfen |
| 25 | Command error | Positionier oder Modusdaten fehlerhaft | Servo Data File und NC Software prüfen |
| 38 | Motor overload | Elektronische Motorüberlast | Betriebsbedingungen prüfen, Last reduzieren, Servo Data File prüfen |
| 40 | Tandem control communication error | Kommunikationsfehler in Tandemregelung | MIV und Servo Link prüfen |
Die obigen Alarmcodes und Bedeutungen stammen aus der Alarmtabelle der Okuma MIV Einheit.
Baugruppenübersicht
| Baugruppe | Bezeichnung funktional | Funktion | Hinweise zur Prüfung oder Reparatur |
|---|
| Steuerplatine | ICB1H oder E4809-770-138 | Verarbeitet Regelung, Überwachung, Kommunikation und interne Freigaben des MIV Antriebs | Sichtprüfung auf thermische Belastung, Steckverbinder, Lötstellen und Versorgungszustände. Bei Fehlerbildern mit instabiler Regelung oder Kommunikationsproblemen gezielt prüfen |
| Leistungsplatine | IVPB0102A-1-B5 | Ansteuerung und Verteilung der Leistungssignale zwischen Regelung und Leistungsteil | Auf thermische Belastung, Kontaktprobleme, gealterte Baugruppen und sichere Signalübergabe zum Leistungsteil prüfen |
| Verbindungsplatine | E4809-045-209A | Interne elektrische und mechanische Verbindung zwischen den Funktionsbaugruppen | Auf Steckkontaktzustand, Leiterbahnschäden, Übergangswiderstände und festen Sitz prüfen |
| Verbindungsplatine | E4809-045-209A | Zweite identische Verbindungsbaugruppe innerhalb der Einheit | Gleiche Prüfung wie bei der ersten Verbindungsplatine, besonders auf Kontaktstabilität und thermische Spuren achten |
| Leistungsteil | Leistungsteil | Energieumsetzung für die Motoransteuerung, thermisch und elektrisch hoch belasteter Bereich | Bei Alarm 03 und 05 besonders auf thermische Vorschädigung, Kühlzustand, Belastungsspuren und Aussetzer unter Last prüfen |