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Okuma BLII-D75A Order 1006-0613 Servo Drive Unit nach der Reparatur (1)
09.04.2026 von Viktor Siebert
Okuma BLII-D75A oder BL2-D75A Order: 006-0613 Servo Drive Unit mit sofort anliegenden OV und UV LEDs nach dem Einschalten

Ausgangssituation und Fehlerbild

Bei diesem Reparaturfall ging es um ein Okuma AC Servo Drive der Baureihe BLII-D75A beziehungsweise BL2-D75A mit der zugehörigen Leistungsplatine E4809-770-069. Das gemeldete Fehlerbild war klar, aber in der Ursache typisch tückisch. Direkt nach dem Einschalten leuchteten sofort die LEDs OV und UV. Der Antrieb ging also nicht erst unter Last oder im Fahrbetrieb in Störung, sondern bereits in einem sehr frühen Zustand beim Hochlauf der Leistungselektronik. Genau dieses Verhalten ist technisch auffällig, weil Überspannung und Unterspannung auf den ersten Blick gegensätzlich wirken. Wenn beide Anzeigen gleichzeitig oder unmittelbar nacheinander aktiv werden, liegt die Ursache meist nicht an der Maschine selbst, sondern im internen Aufbau des Leistungsgeräts.

Eingangskontrolle und erste Diagnose

Schon in der Eingangskontrolle zeigte sich, dass der Fehler nicht nur auf eine einfache Störung im Zwischenkreis oder auf eine lose Verbindung zurückzuführen war. Die Sichtprüfung ergab deutliche Schäden auf der Leistungsplatine. Im Bereich der stromführenden Baugruppen waren thermische Verfärbungen, beschädigte Leiterbahnen und klare Spuren eines Folgeschadens erkennbar. Parallel dazu war die Endstufe selbst defekt.

Das ist bei diesen Okuma Leistungsgeräten kein ungewöhnliches Bild, wenn die Baugruppe über längere Zeit mit gealterten Elektrolytkondensatoren betrieben wurde. Gerade bei älteren Geräten beginnt der Fehler oft unscheinbar. Die Antriebe laufen zunächst noch, zeigen vielleicht einzelne sporadische Auffälligkeiten, bis dann eines Tages beim Einschalten direkt OV und UV anliegen. Genau dieser Punkt ist für die Diagnose wichtig. Der eigentliche Primärschaden liegt oft nicht in der Leistungsendstufe selbst, sondern beginnt viel früher auf der Platine.

Technische Analyse

Die technische Ursache war hier typisch für alternde Leistungsbaugruppen dieser Serie. Im Gerät waren Kondensatoren gealtert und ausgelaufen. Das Elektrolyt hat Leiterbahnen und angrenzende Funktionsbereiche angegriffen. Dadurch entstehen Kriechströme, Korrosion und im weiteren Verlauf auch partielle Kurzschlüsse. Zunächst werden dadurch die Signalwege auf der Leistungsplatine instabil. Danach werden die Funktionsgruppen beschädigt, die aus den Steuersignalen die saubere Ansteuerung der Leistungsmodule erzeugen. Wenn diese Signalformung nicht mehr sauber arbeitet, wird die eigentliche Transistorleistungsebene fehlangesteuert oder überlastet. An diesem Punkt endet der Fehler oft mit einem harten Defekt des Leistungsteils.

Die Ursache Wirkung Kette war in diesem Fall also klar nachvollziehbar. Gealterte und ausgelaufene Kondensatoren führten zu leitfähigen Rückständen und beschädigten Leiterzügen. Daraus entstand eine fehlerhafte Signalaufbereitung. Danach wurde das Leistungsmodul überlastet und zerstört. Für den Betreiber sichtbar wurde das Ganze schließlich nur noch als sofortige OV und UV Anzeige beim Einschalten.

Reparaturmaßnahmen und Instandsetzung

Im Reparaturprozess wurde das Gerät vollständig geöffnet, gereinigt und technisch bewertet. Beschädigte Bereiche auf der Platine wurden nicht nur oberflächlich nachbearbeitet, sondern funktional instand gesetzt oder bei zu starkem Schaden ersetzt. In diesem Fall war die Platine durchgebrannt und musste ersetzt werden. Zusätzlich wurde die defekte Leistungsendstufe erneuert.

Entscheidend war dabei, nicht nur den offensichtlichen Endschaden zu beheben, sondern die gesamte Ursachekette abzuarbeiten. Dazu gehörten die Reinigung von ausgelaufenen Rückständen, die Prüfung der belasteten Signalpfade, die Überarbeitung der leistungstragenden Bereiche und der Austausch der betroffenen funktionalen Einheiten. Genau hier liegt auch der präventive Ansatz. Wenn diese Geräte rechtzeitig überholt werden, bevor Leiterbahnen angegriffen und Signalstufen zerstört sind, lässt sich oft ein deutlich größerer Folgeschaden vermeiden.

Der Fall hatte noch eine zweite praktische Seite. Nachdem der Kunde erfahren hatte, dass das Servomodul grundsätzlich noch zu retten war, die Platine aber bereits so stark beschädigt war, dass sie ersetzt werden musste, ließ er weitere Leistungsgeräte seiner Maschine vorsorglich überholen. Das ist aus technischer Sicht nachvollziehbar. Sobald ein Gerät dieser Serie das typische Bild mit auslaufenden Kondensatoren zeigt, ist davon auszugehen, dass baugleiche Einheiten mit ähnlichem Betriebsalter in einem vergleichbaren Zustand sein können.

Abschließender Funktionstest

Nach der Instandsetzung wurde das Leistungsgerät auf dem Prüfplatz mit kontrollierter Spannungsversorgung getestet. Dabei wurde zuerst das Ein Aus Verhalten geprüft. Entscheidend war, dass beim Zuschalten keine sofortige OV oder UV Anzeige mehr auftrat und sich die Leistungsstufe stabil initialisieren ließ. Danach wurde die Regelung unter geringer Last sowie mit mehreren Schaltzyklen geprüft. Zusätzlich wurden die Signalverhältnisse in der Ansteuerung überwacht und die thermische Entwicklung kontrolliert.

Im weiteren Verlauf wurde das Gerät unter mittlerer und erhöhter elektrischer Belastung geprüft, soweit dies für den Prüfstand sinnvoll und sicher abbildbar war. Dabei war wichtig, dass die Leistungsstufe sauber freigibt, die internen Spannungszustände stabil bleiben und keine erneuten Auffälligkeiten im Bereich Schutzlogik oder Signalaufbereitung auftreten. Der Antrieb lief nach der Instandsetzung wieder stabil an und zeigte im Test kein erneutes Fehlverhalten.

Fazit

Der Schaden an diesem Okuma BLII-D75A beziehungsweise BL2-D75A war kein isolierter Endstufendefekt, sondern das Ergebnis einer längeren Alterung im Leistungsboard. Das sofortige Aufleuchten von OV und UV war nur das Endsymptom einer bereits fortgeschrittenen Schädigung durch ausgelaufene Kondensatoren, beschädigte Signalpfade und daraus folgendem Defekt der Leistungsstufe. Die Reparatur ist nachhaltig, wenn nicht nur das zerstörte Leistungsteil ersetzt wird, sondern die gesamte Ursachekette technisch aufgearbeitet wird. Genau deshalb ist die präventive Überholung solcher Leistungsgeräte in vielen Fällen deutlich wirtschaftlicher als das Warten bis zum Totalausfall. Die beschriebenen Störbilder und BLII Fehlanzeigen stützen sich auf die Okuma Troubleshooting Unterlagen für diese Baureihe.

Preis und Lieferzeit für: BLII-D75A oder BL2-D75A Bestellnummer: 1006-0613 Servo Drive Unit


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Technische Spezifikationen

FeldSpezifikation
HerstellerOkuma
GerätetypAC Servo Drive / Leistungsgerät
ModellbezeichnungBLII-D75A oder BL2-D75A
SerieBLII-D / BL2-D
Leistungca. passend für 75 A Leistungsklasse
Eingangsspannung3~ AC, zulässiger Bereich laut Troubleshooting ca. 170 bis 242 VAC
AusgangsspannungPWM geregelter 3~ Motorausgang, aus internem Zwischenkreis abgeleitet, ca. eingangsabhängig
Nennstrom75 A
SteuerungsartTransistorisierte Leistungsregelung mit interner Steuer und Schutzlogik
Rückführunganwendungsabhängig, Okuma Servosystem mit Motorrückführung
KühlungKühlkörper, je nach Einbauzustand schaltschrankgestützt
SchutzartSchaltschrankgerät, keine feldseitige Schutzart
Umgebungstemperaturca. 0 bis 40 °C sinnvoller Betriebsbereich
MontageSchaltschrankmontage
HerkunftJapan
ProduktstatusAltgerät / Bestandsanlage / nicht mehr neu im üblichen Serienvertrieb

Einsatzumgebung und Einsatzmöglichkeiten

Typische Maschinen
Okuma CNC Drehmaschinen, Bearbeitungszentren und Sondermaschinen mit BLII Leistungsachsen

Typische Baujahre
Vor allem ältere Bestandsmaschinen, häufig aus den 1980er und 1990er Jahren

Typische Anwendungen
Vorschubachsen, Positionierachsen, servoelektrische Maschinenbewegungen im Werkzeugmaschinenbereich

Anforderungen an Umgebung und Schaltschrank
Saubere Schaltschrankluft, stabile Netzversorgung, funktionierende Wärmeabfuhr, keine leitfähige Verschmutzung, keine Feuchtebelastung, keine ölhaltige Kondensatbildung im Gerät

Hinweise zu thermischer und elektrischer Belastung
Hohe Schaltbelastung, Alterung der Kondensatoren, thermischer Wechselbetrieb und lange Betriebszeiten begünstigen Ausfälle. Kritisch sind insbesondere Wärmestau, verschmutzte Kühlflächen und fehlende präventive Überholung.

Funktionsbeschreibung

Grundfunktion
Das Leistungsgerät wandelt die Netzversorgung in eine geregelte Ansteuerung für den Servomotor um. Es stellt die Leistung für Beschleunigen, Regeln und Halten der Achse bereit.

Zusammenspiel Leistungsteil, Regelung und Rückführung
Die Steuerung gibt Sollwerte vor. Die interne Regelung verarbeitet diese Informationen gemeinsam mit der Rückführung aus Motor oder Achssystem. Daraus werden Ansteuersignale für das Leistungsteil gebildet. Das Leistungsteil setzt diese Signale in Motorstrom um.

Freigabe
Erst nach korrekter Initialisierung und intern stabilem Spannungszustand wird das Leistungsteil freigegeben.

Schutzlogik
Das Gerät überwacht Spannungen, Überstromzustände, Rekuperation, interne Versorgung, Überlast und Fehler in der Steuerplatine. Bei Unplausibilitäten wird die Leistungsfreigabe gesperrt.

Thermische Überwachung
Wärmeentwicklung in Leistungsteil und Umgebung ist kritisch. Überhitzung kann zu Fehlfunktionen, Drift und schließlich zu Folgeschäden führen.

Signalüberwachung
Die interne Signalaufbereitung ist sicherheitsrelevant. Fehler in der Ansteuerung der Leistungsmodule führen schnell zu massiven Sekundärschäden.

Warum diese Funktionen sicherheitsrelevant sind
Fehlerhafte Freigabe oder gestörte Signalketten können unkontrollierte Stromanstiege, Zerstörung der Endstufe oder Maschinenstillstand verursachen. Deshalb müssen solche Geräte fachgerecht geprüft und instand gesetzt werden.

Alarmmeldungen und Troubleshooting

AlarmcodeBeschreibungMögliche UrsacheEmpfohlene Maßnahme
PON aus / LOSS anBetriebslampe leuchtet nicht oder LOSS aktivEingangsversorgung zu niedrig oder Sicherung defektVersorgung prüfen, Sicherung prüfen, Steckverbinder prüfen
OCMOCM Lampe leuchtetFehler Motorleitung, Motorisolation, Steckverbindung, Steuer oder LeistungseinheitMotorleitung und Isolation prüfen, Steckverbinder prüfen, Baugruppen eingrenzen
OCSOCS Lampe leuchtetFehler Steuerplatine oder Leistungseinheit, Kurzschluss in Motorleitung, MotorfehlerMotorleitung prüfen, Steuerplatine und Leistungseinheit nach Herstellerschritten prüfen
OVOV Lampe leuchtetEingangsspannung zu hoch, lose Leistungsklemmen, Fehler im RekuperationskreisVersorgung prüfen, Klemmen nachziehen, Rekuperationskreis prüfen
UVUV Lampe leuchtetEingangsspannung zu niedrig, Phasenausfall, Leistungsteil oder Steuerplatine fehlerhaftNetzversorgung, Phasenlage, Klemmen und Leistungseinheit prüfen
BOHBOH Lampe leuchtetMotorüberlast, Steckverbinderproblem, Fehler Steuerplatine oder LeistungseinheitLast prüfen, Steckverbinder prüfen, Baugruppen gegeneinander eingrenzen
ROHROH Lampe leuchtetRekuperations IGBT Fehler, falsche Steckverbindung, Motorüberlast, Widerstandsklemmen loseRekuperationskreis prüfen, Last bewerten, Anschlüsse prüfen
Circuit protector tripsSchutzschalter löst ausVerdrahtungsfehler, Kurzschluss Motorleitung, IGBT oder Diodenmodul defektVerdrahtung prüfen, Motorleitung trennen und prüfen, Leistungsteil prüfen
Warning charge lamp bleibt anLadelampe erlischt nach Abschalten nichtFehler in der LeistungseinheitEntladezeit abwarten und Leistungseinheit prüfen bzw. ersetzen
Motor huntsMotor jagt oder pendeltIGBT Fehler, Steuerplatinenfehler, Fehler in anderen angeschlossenen EinheitenLeistungsteil, Steuerplatine und angeschlossene Baugruppen prüfen
LOSSLOSS Lampe leuchtetSteuerung erhält keine korrekte Versorgung aus dem LeistungsteilSpannungsversorgung intern prüfen, Steckverbinder und Netzseite kontrollieren

Baugruppenübersicht

BaugruppeBezeichnung funktionalFunktionHinweise zur Prüfung oder Reparatur
LeistungsteilEndstufeErzeugt den geregelten MotorstromAuf Kurzschluss, thermische Schäden und saubere Freigabe prüfen
LeistungsplatineOkuma Leistungsboard E4809-770-069Trägt Leistungs und SignalpfadeAuf Korrosion, beschädigte Leiterbahnen und Durchbrand prüfen
SignalaufbereitungAnsteuerstufe für LeistungsmoduleFormt die Steuersignale für die EndstufeBei instabiler Ansteuerung immer mitprüfen
ZwischenkreisSpannungsaufbereitung internStellt Energie für die Leistungsebene bereitAuf Spannungsstabilität und Folgeschäden prüfen
SchutzlogikÜberwachungs und AbschaltfunktionErkennt Spannungs, Strom und RekuperationsfehlerFehlanzeigen immer im Zusammenhang zur Primärursache bewerten
NetzanschlussbereichEinspeisung und KlemmenVersorgt das GerätAuf lose Klemmen, Übergangswiderstände und Phasenfehler prüfen
RekuperationszweigBrems und EnergieabbaupfadBegrenzt ZwischenkreisspannungBei OV und ROH zwingend mitprüfen
KühlkörperbereichWärmeabfuhrHält Leistungshalbleiter im TemperaturbereichAuf Verschmutzung und thermische Verfärbung prüfen
SteckverbinderInterne und externe VerbindungsebeneVerbinden Steuer und LeistungsteilAuf Kontaktprobleme und Hitzeeinwirkung prüfen
KondensatorbereichAlterungsrelevanter VersorgungsteilFiltert und stützt interne SpannungenBei älteren Geräten präventiv prüfen und instand setzen

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